Unterschied Parkett- und Bootslack

Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon mario » Fr 2. Nov 2012, 14:09

Hallo zusammen.

Ist hier jemand in Lackkunde firm?
Welchen Unterschied gibt es zwischen Parkettlack und Boots- bzw. Yachtlack?
Beide ziehen ins Holz und härten die Struktur. Bei beiden ergibt sich eine sehr harte und widerstandsfähige Oberfläche.
Wasserbeständiger (auch Salzwasser) wird der Yachtlack sein.
Mir geht es allerdings um die Anwendung im Modellflugbereich.
Kann mir jemand weiterhelfen?


Grüße
Mario
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Re: Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon UweH » Fr 2. Nov 2012, 21:14

Hallo Mario,
ich bin zwar nicht fit in Lackkunde, aber ich verarbeite sowohl Parkettlack als auch Bootslack schon länger und kann hier ein paar Eigenschaften und Erfahrungen aus meiner Sicht schreiben.
Ich verwende den waaserbasierten Parkettlack von Clou und als Bootslack die Grundierung G4 von Voss-Chemie. Ich hab mir vor längerer Zeit mal den Yachtlack von Clou gekauft, aber nach ersten Versuchen war er mir zu dickflüssig. Nach einem Gespräch mit Elmar (Goofy) hab ich den Yachtlack mal wieder rausgekramt und zu meiner Zufriedenheit als Decklack auf meinem neuen Strong-Mini-Flügel verwendet, grundiert ist der Strong mit G4 und Glasgewebeeinbettung.

Erfahrungen Parkettlack:
- stinkt nicht, läßt sich ohne Ärger auch drinnen verarbeiten
- dünnflüssige Konsistenz, bildet schnell Lackläufer wenn man zu dick aufträgt
- Haftung auf anderen Materialien als Holz manchmal problematisch
- trockmet je Farblage dünner aus, damit läßt sich das Gewicht leichter steuern
- trocknet je Farblage dünner aus, damit werden mehr lackschichten benötigt um das Holz ganz glatt zu bekommen
- Einbettung von Glasgewebe ist problemlos, benötigt aber viele Lackaufträge um alles ganz glatt zu bekommen, bei kontinuierlichem Arbeiten ohne Durchtrocknung kein Zwischenschliff notwendig
- Trockenzeit bis zur Klebefreiheit mit 1-4 Stunden relativ kurz
- Aushärtezeit bis zur Endfestigkeit ca. 1 Woche
- Oberflächenhärte etwas geringer als bei Bootslack
- Glanzgrad Seidenmatt, polieren hab ich nicht probiert
- Vergilbt nicht
- "schillerndes" Furnier sieht man nicht
- Als Decklack auf Koverall nur bedingt geeignet, blättert an Teilen die sich viel bewegen mit der Zeit ab und füllt Gewebestruktur nur schlecht

Erfahrungen Bootslack G4
- stinkt wenig, aber die Wirkung der Lösungsmittel auf die Gesundheit ist stärker man vermutet, nur bei sehr guter Lüftung verwenden
- zähflüssige Konsistenz, bildet gerne Lackläufer wegen langer Anfangstrockenzeit wenn man zu dick aufträgt
- hervorragende Haftung auf sehr vielen Materialien, ist auch als Haftbrücke für Epoxy-Beschichtungen auf schwierigen Untergründen geeignet
- wenige Schichten genügen, bei glatten Hölzern genügt ein einmaliger Auftrag
- die dicke Farbschicht macht es schwieriger eine besonders leichte farbschicht zu realisieren
- Einbettung von Glasgewebe geht, damit sind aber 2-3 Farbaufträge mit Zwischenschliff notwendig, ist ähnlich wie beim finishen einer Glas-Epoxy-Beschichtung
- Trockenzeit mindestens einen Tag
- Aushärtezeit bis zur Endfestigkeit ca. 1 Woche
- große Oberflächenhärte und Zähigkeit, äußerst strapazierfähig
- Glanzgrad Hochglänzend
- Gelbe Grundfarbe mit Vergilbung paßt nicht zu allen Hölzern, bei gelblichen und dunklen Hölzern kein Problem
- holt "Schillereffekte" sehr schön aus dem Furnier
- als Decklack für Koveral gut geeignet, haftet sehr gut und füllt gut

Der Yachtlack von Clou hat ähnliche Eigenschaften wie G4, aber längere Trockenzeit, dafür vergilbt er weniger.

Ich hoffe das hilft ein bisschen weiter.

Gruß,

Uwe.
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Re: Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon mario » Sa 3. Nov 2012, 13:24

Hallo Uwe.
Vielen Dank für deine tolle Zusammenfassung. Bist fit in Lackkunde... :D

Zu Bootlack noch eine Info von mir.
Das Problem mit dem Vergilben von G4 ist bei G8 von Voss erheblich reduziert bzw. ganz weg.
Allerdings ist G8 unglaublich teuer.

Mario
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Re: Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon UweH » Sa 3. Nov 2012, 22:23

mario hat geschrieben:Zu Bootlack noch eine Info von mir.
Das Problem mit dem Vergilben von G4 ist bei G8 von Voss erheblich reduziert bzw. ganz weg.
Allerdings ist G8 unglaublich teuer.


Hallo Mario, der Preis hat mich davon abgehalten den G8 mal zu testen, aber da ich als Oberfläche hauptsächlich gelbliche Hölzer wie Buche, Abachi und Birke verwende stört mich das vergilben nicht. Bei den sehr hellen Furnieren von z.B. Ahorn oder Pappel macht sich das sicher stärker negativ bemerkbar.

Gruß,

Uwe.
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Re: Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon Segelflieger 1998 » Di 1. Jan 2013, 17:46

Hi Mario ,

ich habe jetzt vom obi den Clou Parckettlack genommen und hab , mit dem meinen nuri bespannt , indem ich Packpaier und den lack genommen habe und das dann alles eingepinselt habe . Das habe ich 2 mal gemacht , danach war das teil mega steif :D Ich finde bootslack wird nicht so hart wie Packetllack .

MFg Finn
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Re: Unterschied Parkett- und Bootslack

Beitragvon Pesi5 » Di 1. Jan 2013, 20:05

Segelflieger 1998 hat geschrieben: Ich finde bootslack wird nicht so hart wie Packetllack .

MFg Finn


Servus ihr Lacker

das ist richtig und auch so gewollt - sonst würden bei hoher See die Lackschichten an Deck reisen.
Ich habe jetzt auch viel Parkettlack verwendet und versuche immer wieder einen auf nichtwasserbasis
Lacke zu bekommen das sie wesentlich besser sind auch wenn sie ein wenig riechen.
Beispiel: Audi und auch Mercedes stellen ihre auf wasserbasis lackierten Karosse wieder zurück auf die guten giftigen.
Der gute alte auf Nitrobasis lässt sich toll auf Spiegelglanz polieren :thumbup:
Pesi5
 


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