Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon vanquish » Mi 8. Nov 2017, 09:22

Hallo,

Viele Ideen, wenig Zeit... Dennoch möchte ich gerne einen kleinen Erfahrungsbericht zur Erstellung eines Urmodells für eine Pilatus B4 im Maßstab 1:6 aus einer "verlorenen Form" erstellen. Diese Vorgehensweise ist weder neu, noch von mir. Ich habe sie von Georg Schamberger abgeguckt. Hier die Links zu seinen beiden Threads im RC-Network:
Swift S1: http://www.rc-network.de/forum/showthre ... t+urmodell
DG 1000: http://www.rc-network.de/forum/showthre ... -(M-1-3-25)-Bau-mit-quot-schnellem-Urmodell-quot-!?p=3007963&highlight=swift#post3007963

ich habe mich für diese Vorgehensweise aus folgenden Gründen entschieden:
1. ich wollte einfach mal was neues probieren
2. Styrodur ist sehr kostengünstig
3. Im Gegensatz zu positiv gefrästen Urmodellen mit gefräster Trennebene hat man einen "echten" Rumpf in der Hand und kann ggf. leichte Anpassungen vornehmen

Die CAD-Files für eine B4 im Maßstab 1:5 habe ich bereits im Jahr 2013 erstellt (http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/383612-Pilatus-B4-Konstruktionszeichnungen-3-Seitenansicht?highlight=pilatus+cad). Profiliert habe im Endeffekt mit einem eigenen (F3b-lastigen) Entwurf, den ich kurz davor für den Swift eines Bekannten gerechnet hatte.
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iso2.JPG

iso3.JPG

iso4.JPG


Ein paar Jahre später (Mai 2016) habe ich dann den Rumpf einfach auf 1:6 skaliert und eine Negativform davon aus einer 50mm dicken Styrodurplatte gefräst. Zuerst musste mit einem großen, langen Fräser geschruppt werden (ich nahm einen 8mm Zweischneider); danach wurde mit einem 3mm Fräser geschlichtet. Der Versatz weiß ich nicht mehr genau...
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Der Maßstab 1:6 ergibt eine Spannweite von 2500mm und eine Rumpflänge von 1052mm. Diese Länge konnte ich in einem Teil auf der zur Verfügung stehenden Fräse abarbeiten. Da ich mir bei der Profilwahl/Auslegung dieser kleinen B4 noch unsicher war und ich mir im Endeffekt alle Möglichkeiten einer Auslegung offen lassen wollte, habe ich die Profilanformung entfernt. Lediglich zwei 5mm Bohrungen für die Zentrierstifte kamen an passende Stellen der Profilsehne.

Nach dem Fräsen habe ich die Negative weitere Monate herumliegen lassen, bis ich im August 2017 die Muße hatte, diese mit GFK-Gewebe zu befüllen. Und ab hier wirds interessant. Aufgrund der Erfahrungen von Georg Schamberger habe ich die Negativformen nicht einlackiert. Mit Trennwachs habe ich sie auch nicht behandelt, da ich nicht glaube, dass das etwas bringt. Vielleicht würde eingespritztes PVA die "Entformung" etwas erleichtern, ich hatte jedoch keines.
Mein Plan war, die Negativform reichlich mit Laminierharz einzustreichen, dann eine Lage Abreisgewebe einzubringen und darauf dann die eigentlichen Laminataufbau fürs Urmodell zu machen. Leider gestaltete sich das Einbringen des Abreisgewebes deutlich schwieriger als gedacht. Das Zeug wollte einfach nicht haften bleiben. Also habe ich auf das Abreisgewebe verzichtet. An den Kanten (Haubenausschnitt, Leitwerk, Zentrierstifte) kam Mumpe aus einem Harz-Baumwoll-Microballon-Gemisch. Danach ein paar Lagen 100er GFK-Gewebe und dickes GFK-Rooving-Gewebe (ich denke so um die 400g/m²). Alles in Allem dürften da so um die 1000g/m² GFK-Lagen drinnen sein. Ich habs nicht so genau genommen und auch viele Reststücke verarbeitet.
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Ich bin ja nicht unbedingt der Schnellste Modellbauer, weshalb wieder einige Wochen ins Land zogen, ehe ich am 1. November diesen Jahres die laminierten Halbschalen mit Poraver auffüllen konnte. Gesagt -- > Getan:

Zwei Tage später wurden die Halbschalen dann bis auf die Trennebene abgeschliffen. Da der Rumpf dann sowieso nachgearbeitet, sprich überschliffen, gespachtelt und lackiert werden muss, kann man hierbei den einen oder anderen Kratzer auf der Trennebene und/oder den Kanten durchaus verschmerzen. Nachdem die Halbschalen dann passend auf die Trennebene abgeschliffen waren, habe ich sie mit einem Mumpenmix miteinander verklebt.
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2017-11-03 10.24.12.jpg (88.6 KiB) 361-mal betrachtet


Letzten Montag habe ich mal versucht, ein kleines Stück des Urmodells im Nasenbereich freizulegen. Das scheint ganz gut zu funktionieren. Schau ma mal, wann ich die Zeit finden werde, hier weiter zu machen. Berichten werde ich jedenfalls.

Bis dahin liebe Grüße,
Mario
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon Nebukadneza » Mi 8. Nov 2017, 10:45

Hi!

Danke für den Thread, ich werd’ interessiert mitlesen und mal die eine oder andere toofe Frage stellen …

Grüßle,
-Dario
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon vanquish » Mi 8. Nov 2017, 11:02

Nur zu! :)

Was ich oben vergessen hatte zu erwähnen:
Wie beschrieben wollte ich eigentlich ein Abreissgewebe einbringen und darauf dann den eigentlichen Lagenaufbau für das Urmodell machen. Durch das Abreisgewebe habe ich mir eine schönere Oberfläche des Urmodells erhofft. Leider hat das ja nicht so ganz funktioniert... Für das jetzige Urmodell war es leider schon zu spät, da ich bereits Laminierharz ins Styrodur eingebracht hatte. Beim nächsten mal (z.B.: bei den Flächenformen) würde ich aber versuchen, das Abreissgewebe mit Sprühkleber am Styrodur zu fixieren. Das solltedann eigentlich ganz gut funktionieren...
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon vanquish » Mi 8. Nov 2017, 20:53

Ich hab heute schnell mal das Urmodell entformt. Ging mit Hilfe eines Stemmeisens überraschend gut und nach 30 Minuten war die ganze Aktion auch schon vorbei und das Urmodell freigelegt und ich bin bisher recht zufrieden mit dem Ergebnis.
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Als nächstes werde ich den Rumpf grob überschleifen um die restlichen Styroreste zu entfernen. Danach muss ich zwei, drei kleine Fehlstellen spachteln und den Rumpf mal grundieren.
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon italouwe » Mi 8. Nov 2017, 21:54

Sauber sauber!

Weiterhin Gutes Gelingen!

Gruss, Uwe
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon matzito » Mi 8. Nov 2017, 22:19

Cool, Oberflächenarbeit ist wahrscheinlich aehnlich zum positivbau?
Wobei die Form ja sehr genau ist also evtl muss man weniger spachteln und die Aussenhaut liegt genau da wo sie soll.

Hast Du die erste Lage einfach reinlaminiert, oder eins spezielle Oberflaeche aus Harz-Gemisch erst eingebracht?

Weiterhin viel Erfolg! lg Matze
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon UweH » Mi 8. Nov 2017, 23:32

Hallo Mario,
schön dass Du einen extra Thread zur kleinen B4 aufgemacht hast, das ist eine interessante Bauweise zur Urmodellerstellung und ich bin gespannt wie das Ergebnis nachher aussieht.
Spannendes Thema das man in Zukunft auch leicht wieder findet wenn man mal nachguggen möchte wie man sowas macht ;-)

Gruß,

Uwe
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon vanquish » Do 9. Nov 2017, 08:03

Wie gesagt habe ich gestern das Urmodell lediglich mit einem Stemmeisen freigelegt und auch nur grob "abgeschabt". Dementsprechend befinden sich jetzt noch einige Reste vom Styrodur auf der Oberfläche. Das sieht man eben auf den Fotos. An einer kleinen Stelle habe ich nur kurz mit groben Schleifpapier geschliffen. Diese Stelle ist ganz gut geworden. Da es aber schon finster war und ich die Schleifarbeit gerne im Freien und nicht in der Werkstatt machen möchte, hab ich da mal nicht weitergemacht.

Bis jetzt bin ich mit dem Ergebnis doch recht zufrieden. Die Oberfläche ist sicherlich um nichts schlechter als bei einem beschichteten Positiv.
Wie oben beschrieben habe ich die Styrodurform weder mit Trennwachs oder PVA, noch mit Lack bearbeitet, sondern gleich direkt die einzelnen GFK-Lagen eingebracht. Nach der gestrigen Entformungsaktion würde ich das zukünftig auch nicht anders machen! Die Styrodurform wird beim Entformen so oder so zerstört und das abschaben des Styrodurs vom Laminat ist eigentlich kein großes Ding. Das Urmodell muss -nicht zuletzt wegen der Rumpfnaht- sowieso grundiert und lackiert werden, also wäre eine eingebrachte Lack- oder Gelcoat-Schicht IMHO überflüssige Arbeit. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das Abreisgewebe weggelassen habe. Ich denke, so habe ich mir einige Fehlstellen vorallem beim Leitwerks- oder Haubenübergang erspart.

@Matze: Ich habe da nichts spezielles eingebracht. Die Negativform habe ich einfach mit ausreichend viel Harz (R&G Harz L und Härter L) eingestrichen. Die Kanten wie gewohnt mit Mumpe ausgespritzt und dann gleich die erste GFK-Lage trocken eingelegt. Generell habe ich weder an Gewebe noch an Harz gespart. Gewicht ist mir beim Urmodell herzlich egal...

Folgende Dinge würde ich nach aktuellem Erfahrungsstand anders machen:
- Die Bohrungen für die Passtifte der Negativform habe ich direkt ins Styrodur gebohrt. Zukünftig würde ich an diesen Stellen deutlich größere Löcher fräsen, diese mit Mumpe auffüllen und darin dann die eigentlichen Passlöcher bohren.
- Viel weniger GFK-Lagen einlaminieren; etwa 4 Lagen 100er GFK-Gewebe hätten leicht gereicht
- Für die äußerste Lage schnellen Härter (zB Härter S) verwenden und diese angelieren lassen, ehe man die weiteren Lagen laminiert
- die Bauweise ist es Wert, generell mehr Sorgfalt beim Laminieren walten zu lassen

Liebe Grüße,
Mario
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon UweH » Do 9. Nov 2017, 13:28

Hallo Mario,

bei der Bauweise ist vielleicht die Vorgehensweise von Volker Heydecke beim Bau seiner Polykarpov I 16 Rata recht interessant, das ist ein leicht verkleinerter manntragender Nachbau des russischen Jägers als UL in Kunststoff-Gemischtbauweise als Einzelstück: http://www.rotecradialengines.com/0Volk ... eBuild.htm

Volker hat die Flügelformen des fliegenden Flugzeugs auch aus Styrodur fräsen lassen und dort hinein laminiert. Vor dem laminieren hat er dünne Maler-Abdeckfolie über die Formmulde gelegt, außen rum abgedichtet / abgeklebt und dann die Mulde abgesaugt. Die Folie war so dünn, dass Falten und Überlappungen nur sehr kleine Vertiefungen im Formteil ergaben, die sich mit wenig Spachtel und Füller schließen ließen.
Entformen war damit ein Kinderspiel und der größte Teil der Oberfläche musste nur zum lackieren etwas angeschliffen werden, war ansonsten aber bereits glatt.

Im Modellbaubereich könnte man das vielleicht mit der elastischen Vacuumfolie von R+G ähnlich, aber noch besser machen: https://shop1.r-g.de/art/390176

Gruß,

Uwe.
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Re: Urmodell aus verlorener Form (Pilatus B4 M1:6)

Beitragvon Koarl » Do 9. Nov 2017, 17:26

Vielleicht ginge das auch mit Bügelfolie?
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