Friendlito

Friendlito

Beitragvon Martin82 » Do 13. Jul 2017, 07:18

Liebe Leute!

Frage mich grad wie der Friendlito so fliegt?

Online konnte ich bloß ein einziges (nicht besonders gutes) Flugvideo finden. Der Flieger scheint nicht besonders verbreitet zu sein.
Ich frage mich woran das liegt, ich finde ihn eigentlich ziemlich attraktiv. Klar sind das Gesamtgewicht und die Flächenbelastung in der RES Klasse nicht (mehr) richtig konkurrenzfähig, aber als Alltags-Freizeit-Flieger müsste das Ding doch gut funktionieren? Ist es nicht vernünftig einiges an Performance zu "opfern" um ein stabileres Flugzeug zu haben? Der Friendlito hat einen Sperrholzrumpf und die Fläche ist bei Nasen- und Endleiste jeweils beidseitig beplankt, das klingt für mich nach guter Alltagstauglichkeit. Und eine Flächenbelastung von 22 g/dm2 ist ja nicht soo schlimm, und hat auch nicht nur Nachteile (Windbeständigkeit, flotter durch Albwindfelder).
Und für Wettbewerbe lässt sich immer noch der olympische Gedanke hoch halten!

Sind meine Überlegungen für euch nachvollziehbar (bin Neuling, "noob" ;), oder hat jemand dazu eine andere Meinung? Wer hat Erfahrungen mit dem Flieger?

Danke und freundliche Grüße!
Martin82
 
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Re: Friendlito

Beitragvon UweH » Do 13. Jul 2017, 21:16

Hallo Martin, obwohl ich keinen fliege kenne ich den Friendlito schon von Anfang an aus vielen Wettbewerben. Er fliegt gut und gutmütig und ist auch recht robust, für den Alltagsbetrieb ist die Flugleistung für gemütliches Thermikfliegen absolut in Ordnung.

Im Wettbewerb sind heute Flächenbelastungen von 11-14 g/dm² und schnellere Profile üblich, da ist es mit dem Friendlito nur durch Thermikglück möglich halbwegs mit zu halten und das vergleichsweise hohe Absolutgewicht kostet so viel Hochstarthöhe dass auch das Glück nicht mehr viel hilft. Da kommt nach meiner Meinung auch kein Spaß am olympischen Gedanken auf, denn man ist damit praktisch chancenlos und das bestätigte sich im letzten Jahr auch bei den beiden Wettbewerbseinsätzen von Friendlitos die ich gesehen habe.

Es ist nicht sinnvoll Performance für Robustheit zu opfern die man nicht braucht
Die heutigen RES-Modelle mit 400-500 g Fluggewicht sind durchgehend robust genug für den Freizeitbetrieb und verkraften aufgrund der geringen Massenkräfte härtere Landungen normalerweise ohne Schaden, incl. Stecklandungen im Wettbewerb (die jedoch nicht erlaubt sind).
Mit mehr Gewicht für mehr Festigkeit wird das Modell zwar stabiler, aber durch die höheren Massenkräfte wird auch die Gefahr des Bruchs bei Bodenberührung größer.
Da die Festigkeit des Materials und der Verklebungen bei leichten Modellen die selbe ist wie bei schweren Modellen aus gleichem Baumaterial geht der Gewinn an Festigkeit durch dickere Bauteile wieder an die höheren Massenkräfte im Crashfall verloren. Das Modell muss vor allem die Kräfte im Flug aushalten, wenn man versucht für den Absturz zu dimensionieren hängt man der dafür notwendigen Einschlagfestigkeit immer hinterher und gewinnt durch schwere Verstärkungen meist keine nutzbare Robustheit dazu.
Ein gut konstruiertes Thermikmodell ist leicht und ausreichend fest für den Flugbetrieb und gute wie schlechtere Landungen, beim Crash geht es kaputt.
Als der Friendlito raus kam war er für damalige Verhältnisse in RES ein gut konstruiertes Modell das im Wettbewerb inzwischen durch besser auf die heutigen Verhältnisse optimierte Modelle abgelöst wurde. Für die Freizeitfliegerei ist es immer noch ein gutes und durchdacht konstruiertes Modell.

Gruß,

Uwe.
Ein Flügel genügt

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Re: Friendlito

Beitragvon Martin82 » Do 13. Jul 2017, 22:46

Lieber Uwe,

Vielen Dank für deine anregenden Erfahrungen und Tipps, das liest sich für mich im Grunde ja sehr positiv!

Zwei Fragen habe ich dazu:

1) Die Sache mit der größeren Massenkraft ist einleuchtend. Dennoch denke ich, dass z.B. die Beplankungen gegen piksendes Gras und Gehölz auf einer ungepflegten Wiese von Vorteil sind. Mir sind da ganz offene Flügel (siehe z.B.: RESi) irgendwie suspekt. Vor allem denke ich aber auch an Lagerung und Transport. Wenn das Ding z.B. in einem voll bepackten Auto mit in den Urlaub soll. Siehst du das auch anders? Wie transportierst/lagerst du (ihr) deine (RES-)Modelle? Nimmt man Flächentaschen aus Bläschenfolie, baut man sich eine Schachtel oder Kiste, ...?

2) Du schreibst heute sind "schnellere" Profile üblich. Ich bin mir nicht sicher ob ich die Zusammenhänge richtig verstehe. Meinst du damit die Profildicken werden geringer? Die Wölbungen werden kleiner? Hättest du ev. sogar ein paar Beispiele von Profilen/Modellen für mich, auf die du dich dabei beziehst? Und was sind die Vorteile solcher Profile? Opfert man dafür bewusst einen Teil des Auftriebes, aber das ist ok weil das Modell so leicht ist? Oder lässt sich das so allgemein gar nicht sagen?

Mein Laserfish mit Jedelskyprofil zB säuft bei kräftigerem oder böigerem Gegenwind (20-25km/h) regelmäßig ziemlich ab. Er sinkt dann bestenfalls 0,6-0,7m/s, meistens deutlich mehr (das kann natürlich auch an meiner noch zu hektischen Steuerung liegen). Liegt das an der starken Profilwölbung? An den dann höheren Rezahlen? Muss ich mir Sorgen machen, dass es einem Friendlito ähnlich ergeht?

Sry falls ich zu penetrant Frage. Ich sauge auf, was ich zu dem Thema zu lesen finde, aber ich fürchte so ganz steig ich noch nicht durch.
Wenn jemand eine Buchempfehlung zum Thema hat wäre ich dankbar!

Liebe Grüße,
Maritn
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Re: Friendlito

Beitragvon italouwe » Fr 14. Jul 2017, 09:27

Hallo Martin!

Da stimme ich Uwe zu, im Flug und bei "haerteren" Landungen sollte es keine Probleme geben. Ich selber fliege den Fresh mit 430 Gramm Abfluggewicht, da muss es schon sehr ungluecklich zugehen, dass er groesseren Schaden nimmt. Wo nichts ist, kann auch nichts kaputtgehen.
Das Problem ist mehr der Transport (wie so oft, man eckt hier an, knallt da dagegen, das aergert mich am meissten), wo das Modell eine abbekommt.
Da muss ich an die beiden Piloten aus dem Schwaebischen denken, die morgens zum Res Wettbewerb kamen mit ihren Modell in je einer Holzkiste, sie sahen aus wie zwei Berufskiller :lol: .
Ich habe vor, mir mit aus leichten Kunststoffplatten aus dem Baumarkt eine passende Tragekiste zu bauen, weiss nicht wie man das Zeugs nennt, gibt es in vielen Farben. So sollte es keine Transportprobleme geben.
Folie wuerde ich bei einem so leichten Modell nicht verwenden.
Was die Aerodynamik angeht, gibt es hier geeignetere Personen, da muss ich passen.

Gruss, Uwe
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Re: Friendlito

Beitragvon UweH » Do 27. Jul 2017, 10:25

Martin82 hat geschrieben:2) Du schreibst heute sind "schnellere" Profile üblich. Ich bin mir nicht sicher ob ich die Zusammenhänge richtig verstehe. Meinst du damit die Profildicken werden geringer? Die Wölbungen werden kleiner? Hättest du ev. sogar ein paar Beispiele von Profilen/Modellen für mich, auf die du dich dabei beziehst? Und was sind die Vorteile solcher Profile? Opfert man dafür bewusst einen Teil des Auftriebes, aber das ist ok weil das Modell so leicht ist? Oder lässt sich das so allgemein gar nicht sagen?

Mein Laserfish mit Jedelskyprofil zB säuft bei kräftigerem oder böigerem Gegenwind (20-25km/h) regelmäßig ziemlich ab. Er sinkt dann bestenfalls 0,6-0,7m/s, meistens deutlich mehr (das kann natürlich auch an meiner noch zu hektischen Steuerung liegen). Liegt das an der starken Profilwölbung? An den dann höheren Rezahlen? Muss ich mir Sorgen machen, dass es einem Friendlito ähnlich ergeht?


Hallo Martin,

ich habe hier Fragen von Dir noch nicht beantwortet, das hole ich jetzt mal nach.
In der Anfangszeit von RES hat man sich an den türkischen Verhältnissen orientiert, dort wird die Klasse schon länger als Wettbewerb geflogen als in Deutschland. Die Türken haben umsponnene Baumarktgummis verwendet weil sie preisgünstig und robust sind. Diese Gummis haben relativ viel Anfangszug, der schnell nachlässt. Dafür brauchte man robuste Modelle, die üblicherweise zwischen 700 und 1000 g wogen. Um bei dem hohen Gewicht gute Sinkleistung zu bekommen waren die Profile ungefähr 9-10 % dick und 2,5-3,5 % gewölbt.
In Deutschland haben sich für den Wettbewerb recht schnell dünnere Schlauchgummis durchgesetzt, die weniger Anfangszug, aber dafür größere Auszuglängen für lang anhaltenden Zug haben. Damit konnten die Modelle leichter werden und je geringer das Absolutgewicht des Modells ist, umso effektiver nutzt es die im Gummizug gespeicherte begrenzte Energie. Mit den dicken, stark gewölbten Profilen hätten die leichten Modelle aber Probleme beim zurück fliegen aus dem Rückraum gegen den Wind bekommen weil die Modelle damit langsamer werden und beim andrücken viel Höhe verlieren ohne ausreichend Strecke zu machen. Größere Dicke und größere Wölbung führen beide zu höherem Maximalauftrieb, den man sich mit höherem Profilwiderstand erkauft. Höhere Profilwölbung führt typischerweise dazu, dass der geringste Profilwiderstand bei einem höheren Auftriebsbeiwert anliegt als bei geringerer Wölbung.
Leichte Modelle mit z.B. S3021 oder S4083 waren bei Wind nicht genug penetrationsfähig für den Wettbewerb.
Heute liegen die Profildicken der üblicherweise 400-500 g schweren Modelle bei 7 - 8,5 % und die Wölbung bei 2-2,5 %.
Ruben Bühler und Jonas Illg haben einige bei RES üblichen Profile im kleinen Stuttgarter Windkanal untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht: http://www.uni-stuttgart.de/akamodell/Windkanal_RES.pdf

Der Friendlito hat im Vergleich zum Airfish vor allem geringere Profilwölbung und damit besseres Durchsetzungsvermögen gegen den Wind.

Gruß,

Uwe.
Ein Flügel genügt

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