Hallo zusammen,
Nun also endlich die versprochene Baubeschreibung zu meinem ersten Positivflügel.
Ich bin nicht so der Schreiberling, das Bauen und fliegen macht mir viel mehr Spaß. Deswegen dachte ich mir, ich baue durch und schreibe dann etwas dazu. Doch dann kam das gute Flugwetter und mein erster Sohn dazwischen..

Beim nächsten Flügel werde ich das wieder anders machen...

Ich hatte die letzten Monate sehr wenig Zeit und die wenige Freizeit habe ich dann doch lieber mit Jonathan verbracht.
So jetzt aber zurück zu meinem Prototypen, den ich für meinen Vater gebaut habe.
Als Erstes wurden die Kerne ganz leicht mit dem 240er Schleifschwamm von 3M etwas verschliffen und mit der Straklatte jeweils die Wurzel- und Endrippe sauber in den Winkel geschliffen. Hierzu habe ich mir eine Vorrichtung gebaut, an welche ich Nasen- bzw. Endleiste anlegen kann. Die Grundplatte ist ein Reststück 50-mm Siebdruckplatte. Die 50-mm breite Stirnseite reicht gut aus, um die Rechtwinkligkeit der Anschlussrippen sicher zu stellen.
Anschließend werden die unteren Negativschalen miteinander verklebt und nach dem Trocknen die Übergänge verschliffen. Damit die Kerne beim Verkleben nicht mit den Schalen verkleben, habe ich die Trennstellen der Schalen mit Paketklebeband abgedeckt. Zum Verkleben der Flügelkerne habe ich PU Kleber verwendet. Er hat nach dem Aushärten eine ähnliche Festigkeit wie die Styrodur-Kerne und lässt sich schön verschleifen. So kann anschließend der harte Profilknick leicht gebrochen werden. Ich versprach mir davon weniger Probleme mit den sphärischen Wölbungen beim Beschichten im Bereich der Nase.
Nachdem die Kerne miteinander verklebt sind bekommt man schon einen ersten Eindruck vom Flügel.
Im Anschluss habe ich die Wurzelrippe im Winkel von 1,5-Grad an der Tischkreissäge abgeschnitten. Die Stützrippe sitzt bei 90-mm von der Wurzelrippe gemessen deswegen habe ich den Kern mit Hilfe des Parallelanschlages wieder mit der Kreissäge dort abgetrennt.
Die Rippen werden wieder mit PU-Kleber verklebt und im Anschluss die Durchbrüche für das Steckungs- und Ballastrohr geschaffen.

- WZ Rippe
Hierzu verwende ich ein dünnwandiges VA Rohr mit entsprechendem Außendurchmesser. Eine Seite wird mit einem Senker an der Innenseite "geschärft" und anschließend mit einer Eisensäge segmentweise geschlitzt. Der so entstandene Sägeschliff reicht gut aus um das Styrodur unter ständigem Drehen des Hohlbohrers zu Schneiden. Der Bohrkern wird in das Rohr geschoben. Ist die Bohrung weit genug in den Kern getrieben wird das Rohr ein wenig zurück gezogen und am Ende der Bohrung mit einer Rasierklinge oder einem dünnen Skalpell der Bohrkern abgetrennt.
Beim herausziehen des Rohres wird nun der Bohrkern mit heraus gezogen.

- Hülse2

- Hülse3
Die Hülsen werden anschließend eingepasst, an einem Ende mit Balsa verschlossen und ebenfalls mit PU Leim eingeklebt.
Um keinen Verzug einzubauen wird das Ganze zum Aushärten wieder in die Negativschalen gelegt und mit Gewichten beschwert.

- Hülse2
Anschließend werden noch die Gewindebuchsen für die Torrsionsstifte an die Wurzelrippen geharzt und die Holme auf die Kerne geklebt.
Als Gurte habe ich 6x0,5-mm CFK Profil genommen und keinen Steg vorgesehen.
Das werde ich beim nächsten Flügel anders machen. (jeweils 2Stück 6x0,5-mm durch einen Steg miteinander verbunden und dadurch den Torrsionskasten zur D-Box geschlossen)
Zum Schleifen der Nuten verwende ich einen Klotz auf welchen ich einen Streifen 6-mm breites Schleifpapier mit doppelseitigem Klebeband aufgeklebt habe.
Der Tip ist von Jan Henning und klappt wunderbar.
Die Gurte werden dann mit PU Kleber verklebt. Das hat wieder den Vorteil, dass Lücken geschlossen und überschüssiger Kleber einfach verschliffen werden kann.
Der Flügel ist jetzt schon schön steif und kann das erste Mal zusammen gesteckt werden.

- Nut für Holm1

- Nut für Holm2

- Rohkerne zusammengesteckt
Im nächsten Schritt habe ich die Kerne verspachtelt und geschliffen, so dass sie möglichst glatt sind. Das war vor allem im Holmbereich und an den Rippen notwendig.
Anschließend habe ich die letzten 3-mm der Endleiste abgetrennt. Die "Lücke" wird beim Beschichten mit drei Rovings geschlossen. Das ergibt eine scharfe, stabile und steife Endleiste.
Des Weiteren wird die Scharnierlinie angezeichnet und ausgehend davon 5-mm nach beiden Seiten angezeichnet. Der Kern wird dann entlang dieser Risse mit einer frischen Klinge abgeschnitten.Der 10-mm breite Kern wird anschließend mit Tesafilm beklebt. Um die Haftung des Tesa zu verbessern kann der Kern noch mit Sprühkleber behandelt werden.
Die Flächenkerne sind jetzt fertig zum Beschichten und werden noch einmal zur Seite gelegt.

- Steg beschnitten und mit Tesa versehen
Die Mylars und Gewebeschablonen müssen nun erst vorbereitet werden.
Als Mylar verwende ich einmal das altbekannte 0,3-mm Material von R&G und zum Anderen 0,15-mm Maskierfolie aus dem Airbrush-Bereich. Letzteres ist wesentlich günstiger und legt sich super um alle Radien.
Das dickere Material wird mit einer Ziehklinge an Nasenleiste und im Bereich des Randbogens auf ca. 20-mm Breite ausgeschäftet, so dass es im Bereich der Radien schön dünn ausläuft und sich somit besser um die Radien legt.
Beim "Erstversuch" habe ich dann auch die dicken Mylars verwendet.
Als Belegung habe ich eine Lage 165 g/m ST Gewebe diagonal und eine Lage 80g/m Unidirekrionales Gewebe in Längsrichtung.
Für die Nase verwende ich innen 60er Kevlar diagonal, welches mit 20mm Transfertape beklebt wird. Dieses wird auf der Außenseite mit Sprühkleber besprüht und dann auf 60er CFK Köper ebenfalls diagonal aufgeklebt.
Ich schneide das CFK dann immer ca. 5-mm breiter zu als das Kevlar Band.
Für die Ruderverkastung Klebe ich 20-mm Transfertape auf 60er CFK diagonal.
Als Scharnier wird mit Sprühkleber ein entsprechend breiter Streifen 60er Kevlar diagonal geschnitten und gestreckt auf den Kern geklebt.

- Oberseite fertig vorbereitet

- Unterseite fertig vorbereitet
Zum verpressen kommt das Ganze dann wieder in einen Vakuumschlauch welcher mit dem Küchen Vakuumierer abgesaugt wird.

- Flügel im Sack
Das klappt sehr gut und nach 24-h kommen die ersten rohen Flügel aus den Tüten.

- Ausgepackt1

- Ausgepackt2
Jetzt habe ich den Bereich der Scharnierlinie mit Tesa Krepp abgeklebt um darauf dann jeweils auf Ober- und Unterschale jeweils die Scharnierlinie an zu zeichnen.
Auf der Oberseite schneide ich dann mit einer Diamant Trennscheibe die Schale durch und Ritze den Rest mit einem Cuttermesser bis auf die Unterschale durch.
Danach Ritze ich mit einer Trennscheibe an einem Stahllineal entlang das Gewebe der Unterschale bis auf das Kevlargewebe durch.

- Ruder1

- Ruder3
Jetzt wird das Ruder vorsichtig Stück für Stück nach unten ausgeschlagen bis auf ca. 90 Grad.
So ist genug Platz um mit einem Schraubenzieher den Anfang des Tesa abzuziehen und dann das Tesa mit Schaumkern aus den Stegen zu entfernen.

- Freilegen Klappensteg1

- Freilegen Klappensteg2
Im nächsten Schritt werden die Ruder soweit gängig gemacht, dass die gewünschten Ruderausschläge erreicht werden.
Danach wird die Dichtlippe mit eingedicktem Harz angeformt.
Ich dicke das Harz mit Aerosil ein, so dass es noch mit der Spritze (ohne Kanüle) verarbeitet werden kann.
Temperaturbeständiges Tesa (ist etwas dicker und lässt sich rückstandsfrei entfernen) wird am Ruder aufgeklebt und zum Test eingefädelt.
Wenn alles passt wird das Ruder nach unten umgeklappt und das Harz mit der Spritze in die Kante Rudersteg-Tesa aufgebracht. Das Ruder wird dann so fixiert, dass das Tesa horizontal liegt. Dann kann auch das Harz noch etwas "modelliert" werden, so dass die Dichtlippe später schön ausgeformt wird.
Das Ganze bleibt dann so lange liegen, bis das Harz zäh und nicht mehr klebrig ist.
Jet wird das Tesa unter die vordere Schale gefädelt und das Ruder etwas nach unten ausgeschlagen. In dieser Position verbleibt das Ruder dann bis das Harz komplett ausgehärtet ist.

- Anformen Dichtlippe1

- Anformen Dichtlippe2

- Anformen Dichtlippe3

- Anformen Dichtlippe4
Jetzt wird das Tesa abgezogen und die Dichtlippe wird angepasst und so verschliffen, dass das Ruder wieder die gewünschten Ausschläge erreicht.
Als Servos habe ich die Turnigy 225HV verbaut und bin sehr zufrieden.
Der Prototyp hatte einen Holzrumpf welcher mittlerweile gegen einen alten F3b (ohne Leitwerk...

) ersetzt wurde.
Einstellwerte wurden wie von Peter Wick beschrieben übernommen. Diese passen perfekt.
Der Schwerpunkt liegt jetzt bei 44-mm und schaut schon recht ordentlich aus.
Die Tage habe ich frei, da werde ich noch ein bisschen was zum Zweiten Flügel und den Bau der Rumpfform einstellen.
Ein gutes Neues euch allen!
Viele Grüße
Michael