Neues Glück brachte der neue Hang heute noch nicht, aber es ist doch erstaunlich dass um meinen Arbeitsort rum schöne Hänge aus dem Nichts zu wachsen scheinen
Ich fliege seit letztem Jahr ab und zu auf einer Waldlichtung nicht weit von meinem Büro, aber dort kann man nicht ins Tal schauen und muss über die durchgehende Waldkante flitschen um in den Hangwind zu kommen. An einem der Flugtage dort habe ich einen Gleitschirm gesehen, der offensichtlich vom Nachbarberg gestartet war. Das hat mich neugierig gemacht und mit google und von der gegenüberliegenden Talseite versuchte ich die Startstelle des Gleitschirmfliegers zu finden, aber wurde aus den Infos nicht so recht schlau. Es musste sich zwar auch um eine Waldlichtung handeln, aber ich konnte mir keine Vorstellung davon machen wo die Lücke im Wald für den Start sein sollte.
Heute bin ich dann mal da hin gefahren und durch den Wald bis zur Lichtung gelaufen, das Bild oben zeigt ein bisschen was ich gefunden habe: eine Gleitschirmflieger-Startstelle in einer schmalen Waldschneise mit Windsack und einem steilen Abbruch zum darunter liegenden dichten Niederwald, der links und rechts der Schneise in ebenso dichten Hochwald über geht
Man kann für Flugmodelle keine Notlandestelle im Hang sehen und die Ortschaft gegenüber verhindert eine Außenlandung im etwa 100 m tiefer liegenden Talgrund.
So sieht es von unten aus, der Windsack markiert die Startstelle:
Ich hatte den F3Jler SSL, den Minirock und eine Flitsche zum Hangtesten mit genommen.
Beim aufbauen des SSL kam dann ein Gleitschirmflieger angelaufen und damit hatte ich bei dem schwachen Wind heute nicht gerechnet, aber der war sehr nett und meinte dass es ihn gar nicht stört wenn ich da mit einem Modell fliege, im Gegenteil, der Segler kann ja anzeigen wo es trägt und säuft

....er hat dann angefangen seinen Schirm auszulegen:

Ich war mit dem aufbauen als erster fertig und habe meinen Mut zusammen genommen und zuerst den SSL am für mich vollkommen unbekannten neuen Hang mit Schwung ins Tal geworfen. Meine Wurfhöhe beim SSL ist 5-7 m, das reicht normalerweise um eine Runde zu fliegen und wenn es nicht trägt sicher zur Landung am Startpunkt zurück zu kommen. Es hat aber getragen und so konnte ich mehrere Runden fliegen, allerdings waren die Aufwindbereiche eng und steigschwach, ich konnte kaum Startüberhöhung erfliegen. Um in den Haupt-Hangaufwind zu kommen muss man an dieser Startstelle durch die Waldschneise etwa 50 m vor fliegen und wenn man dann nichts findet kommt man nicht mehr sicher zurück. Deshalb ist die Taktik die kleinen Heber auf dem Vorflug über dem Niederwald auszukreisen und sich von Bärtchen zu Bärtchen vor und hoch zu arbeiten bis man richtig weg kommt oder hoch genug ist um aus dem Tal wieder sicher zur Landewiese am Startplatz zurück zu kommen falls es nicht trägt.
Das habe ich drei mal gemacht und maximal ca. 20 m Überhöhung erflogen, aber richtig weg kam ich nicht und einen "Hausbart" konnte ich auch nicht lokalisieren. Die Vorflüge übers Tal brachten auch keinen Erfolg und der SSL musste sich mit den kleinen Aufwindfeldern über der Waldschneise wieder zurück hangeln um sicher zu landen.
Für mich sah das nicht gut aus, aber der Gleitschirmpilot sah das deutlich optimistischer und als ich eigentlich meine Flitsche aufbauen wollte hat er kurzerhand seinen Schirm aufgezogen und ist die Kante runter gehüpft
.....und wech isser und ward nicht mehr fliegend gesehen
Ich bin gleich die Wiese runter gelaufen weil ich befürchtet hab dass der in der Schneise in irgend einem Busch hängt, aber er war einfach weg.
Also Flitsche aufgebaut und mit dem SSL das Tragen weiter draußen und die DS-Möglichkeiten um die Wiese rum getestet:
Richtig hoch gekommen bin ich nicht, aber im Soft-DS konnte sich der SSL leidlich halten, der Wind schien zu weit von rechts zu kommen.
Nach einiger Zeit des rum probierens und kennen lernens der neuen Startstelle ohne richtigen Erfolg wollte ich eigentlich einpacken und den Hang wechseln, da kam der Gleitschirmpilot aus dem Tal wieder an der Startstelle an...zu Fuß
Wir haben uns über die Bedingungen unterhalten und er meinte er hätte keine Chance gehabt, weil der Wind draußen überm Tal komplett von rechts und damit fast 90° zum Windsack kam. Ich hab noch einen Flitschenstart mit dem SSL gemacht der das auch jetzt noch mal bestätigt hat, dann war aber wirklich einpacken und Hangwechsel angesagt.
Ich bin einfach nach Osten zur nächsten Kuppe an meine Waldlichtung gefahren, aber da kann der Gleitschirm mangels Waldschneise nicht starten, der wollte nach Westen zu einer anderen Gleitschirm-Startstelle.
Die Waldlichtung ist im Vergleich zur Gleitschirmfliegerschneise mehr nach Westen ausgerichtet und hat für Shooter und Minirock besser getragen, aber es trug vor allem thermisch. Ich hab noch 2 Stunden lang einige schöne Flüge gemacht und bin immer freiwillig gelandet, nicht weil es keinen Aufwind mehr hatte. Dabei waren ein mal 5 Bussarde lange im selben Bart wie der Shooter und der Minirock hat in einem Pulk Schwalben seine Thermikflugqualitäten gezeigt, auch ein Bussard konnte ihn nicht abhängen nachdem ich noch mal Blei aus der Nase genommen hatte, das Grinsen davon hab ich immer noch im Gesicht
Den Minirock auf einer typischen Modellflugplatz-Landefläche runter zu bringen ist übrigens stinkeeinfach: in 5 - 15 m Höhe anfliegen, Höhenruder langsam bis zum Anschlag an den Bauch ziehen und abwarten bis sich das Brett im wippenden Hyperstall-Sackflug in die Wiese setzt. Querruder ist dabei gut wirksam, bei einem zu hoch angesetzten Anflug hab ich im Sackflug noch eine 180°-Wende geflogen um zum Flieger holen nicht so weit laufen zu müssen.
Sorry dass es hier jetzt etwas länger geworden ist, ich hoffe ich habe euch mit meinem ellenlangen Erlebnisbericht zum ersten befliegen eines für mich neuen Hanges mit einem Segelflugmodell bei ungünstiger Windrichtung nicht allzu sehr gelangweilt.
Bei den Elektrofliegern wäre das erheblich kürzer:
"Neuer Startplatz, mit Motor raus kein Problem. Gleitschirmflieger hat sich über den Krach an "seinem Hang" beschwert, so ein Prol, dafür ist er gleich nach seinem Start abgesoffen, das hat er nun davon dass er so rückständig ist.
Hab 3 Akkus leer geflogen, 1 Stunde Gesamtflugzeit, war geil

.....bis aufs landen auf der Miniwiese

, ....aber dann hatte ich keine Lust mehr, weil Ladegerät im Auto ist so weit hin und zurück zu laufen.
Auf dem Heimweg hab ich nicht weit von meinem neuen Elektroflughang noch 6 Bussarde und einen großen Pulk Schwalben gesehen die irgendwo Aufwind gefunden haben, wie machen die das nur, es ging heute doch gar nichts........"
Mit elektrischer Rückkehrhilfe wäre es einfacher fürs Nervenkostüm gewesen, aber ich glaube nicht dass heute damit mehr Flugzeit zusammen gekommen wäre und kaputt gemacht habe ich auch nichts.
Für mich wars ein geiler Hangflugnachmittag, auch wenn ich (fast) alleine war und bis auf ein paar Ablasser aus 200 m kein "Vollgasfliegen" dabei war.
Gruß,
Uwe.