Hallo Baba-jaga-Bauer,
ich gehöre zu den Glücklichen, die wenige Tage vor Weihnachten einen Bausatz der Baba-jaga erhalten haben. Mittlerweile ist der Flieger bis auf die Bespannung fertig.
Ich möchte jetzt hier an dieser Stelle keinen Bau-Fortschrittsbericht erstellen, der Flieger ist ja bereits gebaut und daran habe ich zu Beginn nicht gedacht. Aber die eine oder andere Erfahrung, die ich während des Bauens gemacht habe, ist vielleicht ganz hilfreich, sollte aber nur als Ergänzung zu der sehr ausführlichen Bauanleitung, die Ruben erstellt, gesehen werden.
Einige Anmerkungen zum Bausatz:
Was aus dem braunen Karton fällt, ist wirklich vollständig, selbst eine Flasche Sekundenkleber ist drin, die Hölzer sind je nach Einsatzzweck gut ausgewählt (leider war ein 3mm Fräsbrett zu weich, wurde aber problemlos ersetzt), selbst alle Kleinteile sind vorhanden, sodaß eigentlich nichts zugekauft werden muss. Die Fräsungen sind präzise, haben halt die üblichen Franzen, die man verputzen muß.
Bevor man mit dem Bau beginnt, sollte man sich gleich noch in der Apotheke ein Dutzend 09er Kanülen besorgen (10ct./Stück), denn mit denen ist der dünnflüssige Sekundo besser zu verarbeiten; es wird fast ausschließlich damit geklebt.
Worauf beim Rumpf und den Leitwerken zu achten ist:
Die Baureihenfolge ist sehr gut ausgeklügelt und läßt relativ schnell einen stabilen und leichten Rumpf entstehen. Unbedingt ist vor dem Aufspannen aufs Baubrett das untere Rumpfbrett auf Geradlinigkeit prüfen, bei mir waren Spannungen im Holz freigeworden und hatten einen leichten Verzug verursacht. Desweiteren habe ich die 4x4 Eckleisten an der Stelle, an der später die Höhenleitwerkswippe eingesteckt wird, vorher schon mit einer Flachfeile entsprechend ausgespart. Der Rest geht fast von alleine dank Sekundo.
Noch ein Hinweis: zum geradlinigen Verlegen der Bowdenzugrohre sollten die Ausschnitte im vorletzten Spant ca. 1-2mm nachgefeilt werden, sonst erhält das Rohr einen unsteten Verlauf im Bereich der 0,8mm Verstärkung, die Folge ist eine Schwergängigkeit insbesondere des 0,8er Drahtes für das Höhenruder.
Ganz wichtig beim Rumpf: alles Zusatzgewicht hinter dem Schwerpunkt fordert Ballast in der Schnauze und muss bereits jetzt vermieden werden, also keine zus. Leimraupen, Verstärkungen etc.!! Aufgrund der relativ kurzen Schnauze muss man das später mit totem Blei in der Nase büßen. Ich habe daher schon im Vorfeld größere, schwerere 12g-Servos mit Metallgetriebe vorgehalten (wird alternativ in die Bauanleitung aufgenommen laut Ruben). Außerdem habe ich die aus relativ weichem Balsa gefräste Schnauze aus dem Bausatz durch härteres Balsa mit integrierter Ballastkammer ersetzt.
Sehr wichtig beim anschließenden Verschleifen des Rumpfes ist es, am Heck möglichst sinnvoll dort abzuschleifen, wo es die Festig- und Steigkeit nicht beeinträchtigt, d.h. im Bereich der Eckleisten sollte man durchaus bis auf die Leiste herunterschleifen. Ich habe bei meinem Rumpf auch ein zweitesmal die Schleiflatte angesetzt und dadurch noch einige Gramm gefunden. Nach dem vorläufigen Auswiegen mit allen Einbauten, Bowdenzügen etc., aber noch ohne Folienbespannung, mussten trotzdem noch ca. 40g in die Schnauze.
Das vorläufige Gesamtgewicht beträgt derzeit (ohne Bespannung!) mit allen Einbauten incl. vorgehaltenem Ballast 452g. Wenn man großzügig 1,5 qm Folie Oralight mit ca. 60g ansetzt, wird die Baba-Jaga knapp 510g haben.
Gewicht am Heck sparen, heißt auch die Leitwerke sorgfältig auf Profil und Leichtigkeit zu schleifen. Wie wissenschaftlich akribisch man das machen kann, zeigt Mark Drela auf der Website für seinen Allegro, alleine das Verschleifen der Leitwerke ist schon fast eine Doktorarbeit.
Am Ende sind für die Leitwerke 18g oder weniger realisierbar.
Die Tragfläche:
Eine der ersten Arbeiten ist das Verkleben des CfK-Untergurtes mit der Beplankung. Hier habe ich einen Streifen Tesa so auf die Beplankung geklebt, dass etwa 3 bzw. 6mm Klebefläche freibleiben, das Ganze wird dann umgedreht und auf den Tesa wird paßgenau der Gurt gedrückt, dann erst mit Sekundo verklebt. Das ergibt meiner Meinung nach eine bessere Flächenbündigkeit zwischen Beplankung und Gurt.
Ein wichtiger Punkt beim Innenflügel ist der Abstand der Holmgurte im Steckungsbereich für die Außenflügel. Dort werden später die Steckungstaschen mit Sperrholzverkastung aufgebaut. Auch wenn die Paßgenauigkeit der Holmeinschnitte sehr gut ist, sollte vor dem Verkleben des Obergurtes unter Zuhilfenahme der CfK-Steckzungen und der Schublehre unbedingt der Abstand der Gurte überprüft und ggf. nachjustiert werden, sonst klappert der Flieger später in der Luft mit den Flügeln wie eine Storch auf dem Nest
Ruben beschreibt in der Bauanleitung, dass eine Hilfsnasenleiste vorgesetzt wird, bevor die obere Beplankung aufgeklebt wird. Da mir für die eigentliche Nasenleiste damit zu wenig Material übrig zu bleiben schien (besonders bei dem dünnen Außenflügel wird das dann sehr "fipsig"), habe ich vor dem Aufbau der Flügelteile alle Rippen vorne an der Planscheibe um 2mm abgeschliffen und später dann eine 2mm Hilfsleiste davor gesetzt.
Für mich der wichtigste Arbeitsgang war das sorgfältige Verschleifen der Flügelteile. Besonders im Bereich der Nase bitte immer wieder mit den beiliegenden Nasenschablonen kontrollieren, kontrollieren und nochmals kontrollieren... und sich ganz langsam an den exakten Nasenradius herantasten, davon hängt später existentiell die Leistung des Fliegers ab.
Eine Änderung werde ich noch beim Bespannen umsetzen: Vorgesehen ist, den Bereich unter der Störklappe nicht zu bespannen. Nach Rücksprache mit Ruben hat das auch aerodynamisch keinen Einfluß. Ich werde jedoch die Folie auch dort durchziehen, da sich aus meiner Erfahrung nach Landungen auf Gras (auch auf Golfrasen) sich im Laufe der Zeit allerlei Zeugs und Getier im Modell wiederfinden und das sieht bei transparenter Bespannung nicht schön aus, bleibt aber Geschmachsache. Dazu ist unmittelbar an der Hinterkante den oberen Beplankung eine Hilsleiste (etwa 3x3) zum Ankleben der Folie einzuziehen. Zugegeben, das macht etwas Mühe, dafür hat man aber einen dichten Flügel.
Mein Resumee:
Ruben und Jonas ist es gelungen, angelehnt an den Allegro von Mark Drela, mit teilweise unorthodoxen aber einfachen Methoden und viel Cleverness einen absolut wettbewerbfähigen RES-Flieger zu konstruieren, der dem Ur-Entwurf in nahezu allen relevanten Flugeigenschaften sehr nahe oder gleich kommen dürfte.
Abstriche sind gegenüber dem Allegro möglicherweise in der Festigkeit für den Hochstart zu machen, dort ist der Allegro m.E. mit einer übertriebenen Resistenz für Power-Hochstarts ausgestattet. Mark Drela hat dafür mit einer enorm aufwändigen Bauweise des Holms, der Verkastungen und der Krafteinleitungen in Flügel und Rumpf die Sache auf die Spitze getrieben, ein solcher Aufwand ist im Normalfall von den meisten Modellbauern nicht so ohne weiteres zu leisten.
Naja, jetzt ist es fast doch ein Baubericht geworden, nur ohne Bilder
(soll aber andere Thread-Teilnehemer nicht abhalten, doch noch einen zu schreiben).
Wenn es mit dem Bespannen geklappt hat, werde ich ein oder zwei Bilder einstellen, versprochen.
Gruß Rainer