Nebukadneza hat geschrieben:Mich würde interessieren wie deine Scharnierkonstruktion aussieht. Man sieht jetzt ja im Schaleninneren ein extra Kohleband. Ich nehme mal an darunter is Aramid-Band, dann kommt die Außenlage?
Hallo Dario,
es gibt ja keine dummen Fragen, nur dumme Antworten und das hier ist hoffentlich keine dumme Antwort, denn das neue Röckchen soll ja funktionieren
Der Aufbau im Scharnierbereich ist beim aktuellen Minirock so:
- Außenlage 50er Glas
- 80er Spread-Tow Kohle
- Stützstoff ausgespart damit sich das Scharnier bewegen kann ohne nachträglich eine V-Kehle in dickes Stützstoff-Laminat machen zu müssen
- Scharnierband aus 109 g/m² unidirektionalem Kevlargewebe (gabs mal bei R&G, find ich aber derzeit im Shop nicht mehr)
- 60er biax Kohlegelegestreifen
- Innenlage 50er Glas
Ich ritze von unten mit einem speziell präparierten Stück Metallsägeblatt an, das ich an einem Streifen Edelstahl-Fühlerlehrenband entlang führe.
Das Fühlerlehrenband wird mit Klebeband auf den Flügel geklebt, ein Stahllinieal oder sonstige harte Metallkante geht aber auch.
Wichtig ist die Scharnierlinie genau auszumessen und anzuzeichnen. Das habe ich zuerst innen gemacht und die Kohle zuerst mit einem Multimaster und dann händisch mit dem Metallsägeblatt angeritzt bis das Kevlar unter der Kohle sichtbar wurde. Auch hier habe ich an der aufgeklebten Stahlkante geführt.
Hier das Ergebnis, man kann auch sehen dass ich Innenlage und Kohlestreifen im Ruderbereich des Außenflügels abgeschliffen habe weil die Laminatdicke größer als die Ruderdicke bis zur Trennebene war, die Form hätte sich hier wegen des dünnen Ruders mit dickem Laminat drin nicht komplett schließen lassen :
Nach dem Entformen wird die Scharnierlinie mit einem Folienschreiber auf beiden Seiten des Flügels außen aufgezeichnet, eine schützende Kreppbandabklebung beidseitig des Anrisses und das Stahllineal an der Scharnierachse aufgeklebt.
Dann brauchts viel Gefühl und Geduld um die Scharnierlinie anzuritzen ohne abzurutschen und das Kevlar nicht durchzuritzen.
Als nächstes werden die Ruderlängsspalte mit dem Multimaster oder einer Japansäge frei geschnitten, dann der Schlitz auf der Seite ohne Scharnier.
Dann brauchts wieder Gefühl und Geduld um das Ruder durch gefühlvolles hin und her bewegen frei zu brechen, dabei werden eventuelle Klemmstellen mit dem Sägeblatt und Japansäge nachbearbeitet.
Wenn man das Ruder schon ein Stück bewegen kann sieht man von oben ob man die Vorritzung im inneren gut getroffen hat oder da noch mal mit Sägeblatt oder Dreikantfeile nacharbeiten muss. Die Vorrritzung hilft aber auch wenn sie etwas daneben ist das Ruder so weit bewegen zu können dass man mit einem Werkzeug in den Spalt kommt.
Man kann sich für normale Flügel auch Vorrichtungen bauen um die Ruderachse mit einer Maschine freizuschneiden, aber bei dem kleinen Minirock in Einzelfertigung lohnt das nicht. Ich habe für das frei schneiden und gängig machen beim letzten Minirock ca. 30 Minuten pro Ruder gebraucht, wegen des Hybridgewebes dann aber noch 3 x so lang um im Naßschliff den oberen Ruderspalt breit genug für die Bewegungsfreiheit und Dichtlippe zu machen, das ist ohne Kevlar in der Schale diesmal aber auch schnell erledigt.
Hier noch ein paar Bilderchen von Gestern.
Die Steghöhe habe ich mit Knetmasse bestimmt. Ich hab zuerst breite Kreppbandstreifen in die Form geklebt, dann kleine Knettürmchen, darauf Backpapierstücke. Dann Form zu und wieder auf und die Steghöhe läßt sich einfach an den Knettürmchen abmessen. Da ich als Stege Depron im Gewebeschlauch verwende genügen wenige Referenzpunkte, der Schaum drückt sich bei etwas Übermaß zusammen wenn man die Form zuschraubt.
Die Ballastkammer habe ich genau eingemessen und vorab mit etwas 5 Minuten Epoxy fixiert:
Die Stegposition an den Rudern habe ich eingemessen und mit Edding markiert, am Holm geben die Gurte die Position vor, hier ist der Stützstoff ja ebenfalls ausgespart. Dann Stege mit Mumpe einsetzen, auf alle Klebeflächen Mumpe auftragen und Form zu.
Die Stege sind in der Mitte ausgespart und mit reichlich Kohlezulagen in den Gurten ausgewechselt um die Rudergestänge nachher durch führen zu können ohne Löcher machen zu müssen. Die Löcher für die Gestängedurchführung zu machen war bei meinem ersten Minirock echte Strafarbeit weil man durch den Servoschacht kaum mit Werkzeug an den Steg kommt, jetzt mache ich es so wie auf den Bildern zu sehen.
Morgen wird die Form wieder aufgemacht und dann bin ich mal gespannt ob das neue Röckchen was geworden ist
.....noch ein Tipp an alle die mit Formen im Vacuumsack bauen: vor dem laminieren immer die Formen kontrollieren und scharfe Kanten und Ecken entfernen und abkleben. Scharfe Kanten können beim einschieben der Form den Sack verletzen und dann gibts kein Vacuum, ich hab bei der zweiten Formhälfte über 2 Stunden gebraucht um die Löcher mit Klebeband so weit abzudichten dass wenigsten etwas Vacuum zustande kommt
Gruß,
Uwe.